Englisch | Italienisch | Niederländisch
Language Professionals | Mike Morandin | Elisabeth Rösch | Miriam Söllch
Dolmetscher | Konferenzberatung | Übersetzer
Qualität | Fachgebiete | Redner | Fotogalerie | Presse
FAQ | Glossar | Ausbildung zum Dolmetscher | Konferenzdolmetscher bei der EU
Konferenzplanung | Auswahl der Dolmetscher | Technik mieten | Vorbereitungsmaterial | Rednertipps

Konferenzdolmetscher bei der EU

Bewerbung und Aufnahmeprüfung

Wer sich als Konferenzdolmetscher in den Dienst der Europäischen Union stellen möchte, muss sich zunächst beim Europäischen Parlament und der Europäischen Union bewerben. Voraussetzung hierfür ist ein Universitätsdiplom, jedoch nicht unbedingt als Diplom-Dolmetscher. Auch andere Akademiker mit entsprechend guten Sprachkenntnissen und Dolmetscherfahrung können ihr Glück versuchen. Die Wartezeiten für die „alten“ europäischen Sprachen sind inzwischen verhältnismäßig lang; wer mit einer osteuropäischen Sprache aufwarten kann, hat bessere Karten für einen baldigen Prüfungstermin.
Die Aufnahmeprüfung an sich, sowohl für den Dolmetscherdienst des Parlaments als auch für den Gemeinsamen Dolmetscher- und Konferenzdienst der Kommission (SCIC), ist kein Zuckerschlecken. Entgegen der Situation in der Praxis erfährt der Kandidat nicht, welches Thema er dolmetschen soll. Von A wie Ackerbau bis Z wie Zuchtfisch erwarten den angehenden EU-Simultandolmetscher die unterschiedlichsten Themen. Obwohl die Konferenzen im Dolmetschalltag der europäischen Institutionen mit sehr wenigen Ausnahmen simultan gedolmetscht werden, wird auch eine Konsekutivleistung von 5-8 Minuten aus jeder Sprache in die Muttersprache erwartet. So wird ersichtlich, ob der Dolmetscher über eine gute Notizentechnik verfügt, mit der der Text aufgenommen wird, eine gute Gedächtnisleistung bietet und den Text flüssig, zuhörerfreundlich, auf dem geforderten sprachlichen Niveau und insbesondere auch vollständig vortragen kann.

Zusätzlich zur Konsekutivprüfung werden potenzielle Konferenzdolmetscher für die Institutionen einer zehn- bis fünfzehnminütigen Simultan-Dolmetschprüfung unterzogen, jeweils aus der Fremdsprache in die Muttersprache. Auch hier ist das Themenspektrum nicht eingegrenzt, und es ist keinesfalls abwegig, dass ein französischer Text von der amerikanischen Musikindustrie handelt, ein niederländischer Text sich mit Japans Fischfangquoten auseinandersetzt und die englische Prüfung sich um die italienische Mittelmeerküche dreht.

Arbeitsalltag der Dolmetscher

Wer eine oder mehrere Dolmetschprüfungen nicht besteht, bekommt eine 2. und 3. Chance. Sind hingegen alle Prüfungen bestanden, folgen – je nach Sprachangebot des Dolmetschers und -bedarf – erste Einsätze in Brüssel oder Straßburg. Mit etwas Erfahrung folgen Dolmetscheinsätze beim Europäischen Rechnungshof sowie dem Europäischen Gerichtshof; beide Institutionen sind ebenso wie das Europäische Statistikamt EUROSTAT in Luxemburg angesiedelt, wo zudem Ausschusssitzungen der Kommission abgehalten werden. Wer bei den Institutionen dolmetscht, erhält in den ersten 100 Einsatztagen lediglich 2/3 des Dolmetschhonorars, nach 100 Tagen wird das Honorar auf 100% heraufgestuft. Zudem sind die Konferenzdolmetscher krankenversichert; Reisekosten und Übernachtung werden erstattet.

Der Arbeitstag der Konferenzdolmetscher beginnt dort um 9:00h oder 9:30h und endet um 17:30h. Länger als 7,5 Stunden sind die anstrengenden Konferenztage nicht, Pausen und Teamstärke sind genau festgelegt, was unter anderem dem professionellen Einsatz des internationalen Berufsverbandes der Konferenzdolmetscher, aiic, zu verdanken ist.
Um sich gut auf die jeweiligen Themen vorbereiten zu können, erhalten die Dolmetscher auf Wunsch Vorbereitungsmaterial – Tagesordnung, Hintergrundinformationen, Teilnehmerliste etc. – vom Konferenzbüro. Genauso wie bei Dolmetscheinsätzen auf dem freien Markt ist die Vorbereitung das A und O. Wer bei komplizierten Fachthemen z.B. in den Bereichen Telekommunikation, Medizin, Rechnungswesen und Statistik mithalten möchte, sollte sich vor einem Dolmetscheinsatz unbedingt das nötige Hintergrundwissen in den jeweiligen Konferenzsprachen aneignen.

Werden mehr als 5 Sprachen gesprochen, wird ein Team aus 3 Konferenzdolmetschern eingesetzt, um alle Sprachen abdecken zu können und den Dolmetschern die nötigen Pausen zu ermöglichen, ohne die eine gute Dolmetschqualität nicht gewährleistet werden könnte. Die Anforderung an die Konzentration der Dolmetscher ist durch die zusätzlichen Sprachen nach der Erweiterung der EU noch gestiegen. Da nicht jede Dolmetschkabine alle während der Konferenz gesprochenen Sprachen abdecken kann, wird mehr über Relais gearbeitet, d.h. wenn ein Redner sich z.B. auf Polnisch äußert, wird diese Sprache in der französischen Kabine in das Französische gedolmetscht, und die übrigen Dolmetschkabinen schalten sich in diesem Moment auf die französische Kabine, um das dort Gehörte dann in ihre jeweilige Sprache zu übertragen, was eine leichte Verzögerung bedeuten kann. Hier sind hervorragende Dolmetscher gefragt, die im Relais-Fall nicht nur zuhörerfreundlich, sondern auch kollegenfreundlich arbeiten. Dies bedeutet zum Beispiel, dass ein deutscher Dolmetscher, der etwa aus dem Niederländischen in seine Muttersprache arbeitet, das Verb nicht erst am Ende des Satzes liefert, da andere Sprachen häufig einen anderen Satzbau (Syntax) verlangen. Insbesondere im Englischen gehört das Verb in den ersten Teil des Satzes. Das kollegenfreundliche Dolmetschen ist also eine weitere Anforderung, der ein Dolmetscher bei der EU genügen muss.

Ausgesprochen schwierig wird es für die Dolmetscher auch bei den Institutionen Europäischer Gerichtshof und Europäischer Rechnungshof, oder auch im Plenum des Parlaments in Straßburg, da dort die Redezeit begrenzt ist und die Abgeordneten ihren Beitrag entsprechend schnell vortragen. Lohn der Mühe für die Dolmetscher sind ein professionelles, internationales Arbeitsumfeld, ein zuverlässiger Kunde, der nicht gemahnt werden muss, sowie viele spannende Themen und das Gefühl, am Ende eines anstrengenden Simultan-Konferenztags einen ganz wesentlichen Beitrag zur Verständigung der Konferenzteilnehmer und deren Arbeit geleistet zu haben.

Home | Language Professionals | Morandin | Rösch | Söllch | Dolmetscher | Konferenzberatung | Übersetzer | Anfrage | Qualität | Fachgebiete | Redner | Fotogalerie | Presse | Kontakt | Technik (IS0) | Berufsethik | FAQ | Glossar | Ausbildung | Konferenzdolmetscher | Notizentechnik | Simultandolmetschen.com | Impressum | ©2004 Language Professionals Partnerschaft - Handschuhsheimer Landstraße 43 - 69121 Heidelberg